
Willkommen auf der Internetseite in Michelrieth
Michelrieth ist eine kleine Teilgemeinde der Stadt Marktheidenfeld im Landkreis Main-Spessart im bayerischen Regierungsbezirk Unterfranken. Sie erfahren auf dieser Seite, wie die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern unter Führung von Landesbischof Johannes Friedrich in diesem Ort tätig ist.
1.
Michelrieth ist beispielhaft
2. Die
Evangelisch-Lutherische
Kirche in Bayern hat das Problem früh erkannt
3. Der Dienstauftrag der Kirche
4. Was kann man bei Aussteigern tun?
5. Was bei Rückschlägen getan werden kann
6. "Sündige tapfer, aber glaube noch
tapferer!"
7. Methoden zeitgemäßer Apologetik und "Inquisitio"
8. Die Volkskirche braucht Informationen
über Andersgläubige
9. Hilfe durch die Medien
10. Die Kraft der Meinungsäußerung
11. Mit der Bibel und mit der Taufe
12. Welche Anschuldigungen eine große Wirkung
haben
13. Die traditionelle Ordnung ist gefährdet
14. Der geistige Kampf
1. Michelrieth ist beispielhaft
Die Evangelische Kirche in Deutschland hat seit Ende des Zweiten Weltkriegs
über die Hälfte ihrer Mitglieder verloren. Damit wurde die durch kirchliche Tradition
geprägte Form des Zusammenhalts in
der Gesellschaft zunehmend ausgehöhlt. Gottesdienstbesuche an kirchlichen
Feiertagen, Kindertaufen, Konfirmationen, kirchliche Trauungen und ein
Begräbnis mit Pfarrer
wurden immer weniger als Selbstverständlichkeit wahr genommen. Die Zahl der Kirchenaussteiger
nimmt ständig zu. Und die Anzahl der verstorbenen Kirchenmitglieder pro
Jahr übersteigt schon seit längerem die Zahl der Säuglinge, die von der
Kirche als neue Mitglieder willkommen geheißen werden. Auf diese Weise verlieren beide
in Deutschland angestammten großen Kirchen im Jahr ca. eine Viertelmillion
Mitglieder. Der kleine Ort Michelrieth steht stellvertretend für diese Problematik.
Denn dort ist bereits Wirklichkeit, was anderen Orten noch bevorsteht. Denn
in Michelrieth liegt die Zahl der Bürger ohne Kirchenmitgliedschaft schon
bei ca. 50 % der Bevölkerung, also deutlich höher als in anderen Städten und
Gemeinden im kirchlich
geprägten Westen
Deutschlands.
2. Die
Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern hat das Problem früh erkannt
Schon vor ca. 40 Jahren hat der damalige evangelisch-lutherische
Landesbischof Hermann Dietzfelbinger das Problem einer schleichend sterbenden Kirche
erkannt und Gegenmaßnahmen eingeleitet. Besonders problematisch aus
kirchlicher Sicht waren
diejenigen Kirchenaussteiger, die sich zu neuen Gruppierungen und
Gemeinschaften zusammen
schlossen. Viele von ihnen brüskierten schon damals die Kirche, indem sie z. B. die
Gründe für ihren Kirchenaustritt öffentlich bekannt machten.
Die evangelisch-lutherische Dorfkirche in
Michelrieth - Viele Jahrhunderte lang besuchte wenigstens ein Mitglied jeder
Familie den Sonntagsgottesdienst. Von den Neubürgern, die seit den
80er-Jahren zugezogen sind, ließen sich die meisten jedoch nicht ein
einziges Mal dort blicken, obwohl die
Stadt Marktheidenfeld sehr großzügig sowohl die Innen- als auch die
Außenrenovierung der Kirche mit finanzierte. Die Neubürger interessiert also nicht
einmal, was auch mit ihren Steuergeldern bezahlt wurde. Sie fühlen sich stattdessen dem Universellen Leben (von der Kirche
„UL“
genannt) zugehörig,
deren Anhänger sich in normalen Versammlungsräumen ohne Kanzel, Altar und
Orgel treffen (sie haben die traditionelle neobarocke Kirchenorgel durch ein
Klavier ersetzt), und vor denen die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern
immer wieder warnt.
Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern
hat hier als erste Kirche in Deutschland die Zeichen der Zeit erkannt. Weil
die innere Kraft der Kirchen nicht mehr ausreichte, um zahllosen Gottsuchern
eine geistige Heimat bieten zu können, war der Zeitpunkt gekommen, um
wirksame Gegenmaßnahmen gegen die damaligen „Jugendreligionen“ zu ergreifen.
So berief die evangelische Kirche in Bayern 1967 einen „Beauftragten
für Sekten- und Weltanschauungsfragen“, den streitbaren Pfarrer Friedrich-Wilhelm Haack. Alle anderen Kirchen folgten diesem Beispiel im Laufe der nächsten Jahre,
und die evangelischen Kirchen übten dabei eine Vorreiterrolle gegenüber der
katholischen aus. Da die beiden großen Kirchen in der Gesellschaft auch
zunehmend unglaubwürdiger wurden, versuchten die kirchlichen
Sektenbeauftragten von Anfang an, auch die Glaubwürdigkeit der neuen
Gemeinschaften zu erschüttern. Ein Rückblick auf viele Epochen der fast
2000-jährigen Kirchengeschichte beweist den Erfolg dieser Strategie. Ohne
den geistigen Angriff auf jeweils konkurrierende Lehren hätte die Kirche
niemals ihren religiösen Führungsanspruch in Deutschland bis heute
erfolgreich behaupten können.
Pfarrer Haack bewies dabei als erster die Unerschrockenheit und den Mut, an eine Tradition anzuknüpfen,
die gerade in unserer – von religiöser Vielfalt und Ansehensverlust der Kirchen
geprägten – Zeit unpopulär geworden ist.
Nichtsdestotrotz ist diese Tradition gerade auch für die einzelnen Kirchengemeinden vor
Ort von großer Bedeutung.
So schrieb Pfarrer Haack am 30.4.1986 an einen kritischen Beobachter seiner
damaligen Arbeit: „Wenn Sie bei mir auf Inquisition tippen, dann
liegen Sie natürlich richtig! Sehen Sie, auch die Inquisition ist moderner
geworden ...“, und er wies darauf hin, dass es dabei heute nicht mehr so
schlimm wie in früheren
Jahrhunderten zugehe, wo Beschuldigte gefoltert und umgebracht worden waren, was der Inquisition ja
einen
überwiegend schlechten Ruf
eingebracht hat.
So war auch die Kirche in Michelrieth bei den Hexenverfolgungen
in der
Grafschaft Wertheim (zu der Michelrieth gehörte) aktiv, und es kam gerade in
unserer Grafschaft von
1578-1690 bedauerlicherweise zu Hunderten von Verbrennungen bzw.
Hinrichtungen. So
wies der Historiker Robert Meier z. B. nach: „Während in Würzburg 1628 die
Hexenprozesse zum Stillstand kamen, erreichten sie in Wertheim mit der
Verfolgungswelle der Jahre 1629-1634 ihren Höhepunkt.“ Und wer war damals
verantwortlich? Der Historiker Meier schreibt: „Zuständig für Malefizvergehen waren zunächst die Zenten,
eine aus dem Mittelalter stammende Hochgerichtsspezialität.“ Und: „Hexenprozesse vor Zentgerichten
gab es in den Zenten Michelrieth und Remlingen“ (historicum.net,
13.3.2003).
Doch trotz alledem kann hinzugefügt werden: Auch früher war die
Inquisition besser als ihr Ruf. So erklärte der heutige
Papst
Benedikt XVI. noch als Joseph Kardinal Ratzinger im Jahr 2005: „Aber man muss doch sagen, dass Inquisition der Fortschritt war,
dass nichts mehr verurteilt werden durfte ohne Inquisitio, das heißt, dass
Untersuchungen statt finden mussten“ (Monitor, 3.3.2005).
Zudem sorgte die Kirche
Jahrhunderte lang auch anderweitig für die Ordnung im gesellschaftlichen
Leben:
So wurde z. B. 1594 die Frau des Hirten Lauer und der Bürger Hans Gren wegen Ehebruchs an die Michelriether Kirche gefesselt,
was andere Bürger vom Sündigen abschrecken sollte.
Bedrohlicher als
diese persönlichen Sünden waren für die Kirche jedoch immer Abweichungen vom Glauben der
Kirche, der in ihren Bekenntnisschriften verbindlich und feierlich
festgelegt
wurde. Deswegen gibt es diese Untersuchungen, von denen der Papst im Jahr 2005
sprach, eben seit
den Zeiten der frühen Inquisition im Mittelalter.
3. Der
Dienstauftrag der Kirche
In unserer Zeit konnte Pfarrer Friedrich-Wilhelm Haack aber nicht einfach die früheren Methoden kopieren. Doch ging es früher wie heute zunächst um „Untersuchungen“. Und so sind die „Untersuchungen“ von Pfarrer Haack und seinen Nachfolgern sozusagen der Kern dieses Dienstauftrags zum Wohle der Kirche. Denn der Pionier der „Sektenaufklärung“ lehnte es ab, Andersdenkende bloß aufgrund ihres Glaubensbekenntnisses zu verurteilen und gegebenenfalls kirchliche, staatliche oder gesellschaftliche Maßnahmen gegen sie einleiten zu lassen. (Dazu gehört z. B., ihnen die Ausübung von Gewerben zu untersagen oder Anzeigenwerbung verbieten zu lassen oder das Mieten von Veranstaltungsräumen zu verhindern und vieles dergleichen mehr.) Die kirchlichen Beauftragten wollen darüber hinaus untersuchen, ob diese Gruppen auch tatsächlich gefährlich für die Kirche und damit auch für den Staat und die Gesellschaft sind, welche ja seit Jahrhunderten durch die Kirche geprägt wurden. Und der Pionier Haack hat sich mehrfach dagegen gewehrt, dass er es dabei mit der Wahrheit nicht sehr genau genommen habe. Allerdings waren der erste „Sektenbeauftragte“ und seine Nachfolger nicht immer Männer der einfachen Wahrheiten nach dem Motto 1+1=2. Bei ihnen kann eine Wahrheit dem Betrachter auch teilweise verborgen bleiben und eingehüllt in das „Geheimnis Gottes“, so wie es die Kirche seit ihren Anfängen predigt.
Seit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555
war Michelrieth auch von Amts wegen ein evangelischer Ort. Was ist jedoch, wenn die
Mehrheit der Bürger gar nicht mehr das evangelische Glaubensbekenntnis
spricht? Was
wird dann aus dem geschichtlichen Erbe des Augsburger Religionsfriedens?
Weil sie diesem Erbe verpflichtet ist, hat die
evangelisch-lutherische Pfarrei Michelrieth deshalb nach wie vor den gesamten Ort und
alle seine Einwohner
im Blick, und nicht nur die Evangelischen. Denn die Kirche glaubt fest: Wer
einmal katholisch oder evangelisch getauft worden ist, könne diesen
"Bundesschluss" niemals rückgängig machen, auch wenn er später aus der
Kirche austritt. Er würde trotzdem immer ein Teil der Kirche bleiben. So
treu hält die Kirche an den Menschen fest.
In Michelrieth ist es nun so, dass etwa die Hälfte der Einwohner stark von
urchristlichem Gedankengut geprägt ist. Weiterhin distanzieren sich diese
Einwohner
laut vernehmbar von der problematischen Vergangenheit der Amtskirchen, über die
es in den letzten ca. 30 Jahren in Deutschland auch verstärkt Veröffentlichungen
gibt. Auch gegen das Anwachsen dieser kirchenkritischen Tendenzen verwahrten sich Pfarrer Haack und seine Mitstreiter und
deren Nachfolger innerhalb der Kirche heute. Und sie greifen dabei auch auf das Mittel
der Apologetik
(Verteidigung des Glaubens und des kirchlichen Lebens gegen Abweichungen)
zurück, das sich im Zusammenspiel mit der „Inquisitio“
(Untersuchung der anderen Überzeugungen) im Laufe der Kirchengeschichte
immer wieder bewährt hatte. Zu den apologetischen Mitteln gehört es z. B.,
Vorwürfe gegen die Kirche – wenn möglich, ohne auf Einzelheiten einzugehen –
pauschal zurück zu weisen und umgekehrt – so pauschal wie möglich – Vorwürfe
gegenüber dem Kirchenkritiker zu erheben. Hier reicht es meistens schon,
wenn man sagt, er stehe mit einer „Sekte“ in Verbindung. Dann kann man sich
eine mühsame inhaltliche Auseinandersetzung in der Regel ersparen.
4. Was
kann man bei Aussteigern tun?
Die Apologetik gewinnt auch
dadurch an Bedeutung, weil der heutige Staat
die Möglichkeit der Kirchen zur Wahrung ihres angestammten Besitzstands
gegenüber früheren Jahrhunderten erheblich einschränkt. Dies hat damit zu tun,
dass durch US-amerikanischen Einfluss in der Nachkriegszeit eine
unreflektierte „Religionsfreiheit“ in das deutsche Grundgesetz aufgenommen
wurde. Damals konnte freilich noch keiner ahnen, dass sich bald auch andere
Gruppen als die beiden in Deutschland ansässigen Kirchen darauf berufen
würden.
Und so ist es auch für die Richter und ihre Beisitzer nicht mehr
selbstverständlich, bei Konflikten vor Gericht im Sinne ihrer Kirche zu entscheiden,
obwohl sie dieser
bei ihrer Firmung oder Konfirmation die Treue versprochen haben – auch das
ein Zeichen zunehmender Verunsicherung des einzelnen in einer von
Meinungsvielfalt im großen und ganzen überforderten Gesellschaft. Dennoch
entscheiden die meisten Juristen auch heute bei gerichtlichen
Auseinandersetzungen zwischen der Kirche und religiösen Minderheiten wohl
zugunsten ihrer Kirche. Sie dürfen sich dabei heute aber nicht mehr auf ihr
früheres Treuegelöbnis der Kirche gegenüber berufen, sondern müssen sich
andere Begründungen für ihre Urteile ausdenken.

Auf den ersten Blick deutet noch kaum etwas darauf hin, was sich im
Wohngebiet links von der Dorfkirche in den letzten Jahren getan hat. Wenn
man genau hinsieht, entdeckt man jedoch links bereits ein Haus mit
zwei halbrunden Fenstergiebeln. Hier orientierte sich der Bauherr nicht an der
in Michelrieth bisher üblichen altfränkischen Eckbauweise. Er ist - wie viele andere -
ein Kirchenaussteiger, welcher den Charakter des Dorfes unmerklich verändert. Eine
Bürgerinitiative unter Führung des Mesners der Kirchengemeinde hatte auf einer Karte einmal alle Häuser markiert, in denen
diese Leute wohnen. Erst dadurch wurde vielen
die drohende Überfremdung durch Menschen anderen Glaubens bewusst. Schon
Martin Luther sah in vergleichbaren Entwicklungen seiner Zeit eine Bedrohung der öffentlichen Ordnung.
Hier war auch die
Öffentlichkeitsarbeit der Kirche selbst gefordert. So bedurfte es großer finanzieller und personeller Anstrengungen, um
die Öffentlichkeit gegen so genannte „Sekten“ und religiöse Minderheiten
einzustimmen, in welchen sich immer mehr „Aussteiger“ zusammen finden, welche
die Kirche verlassen haben.
Die wirkungsvollste Methode ist die stetige Verwendung dieses negativen
Begriffs. Zwar wird in der Bibel über die Urchristen und Nachfolger Jesu
als der „Sekte des Nazareners“ (Apostelgeschichte 24, 5) gesprochen. Doch
die Kirche hat in den Jahrhunderten ihres beharrlichen Dienstes diesen
Begriff einheitlich mit einer ausschließlich negativen und abschreckenden
Bedeutung besetzt. Damit ist es ihr gelungen, dass sie selbst und die
von ihr beratenen Vertreter von Staat und Gesellschaft jeweils mit klaren Vorgaben arbeiten
konnten. Denn auch im Glaubenskampf bewahrheitet sich die Wahrheiten in
alten Sprichwörtern, welche z. B. lauten: „Steter Tropfen
höhlt den Stein“ (Kritik, Anschuldigungen und Verdachtsmomente immer wiederholen).
Oder: „Irgendetwas (der Kritik, der Vorwürfe oder Vermutungen) bleibt immer
hängen.“
Der evangelische Theologe Haack, der sich als Pionier und „Vater“ dieser
Bewegung in unserer Zeit sehr viele Verdienste für seine Kirche erworben
hat, ist allerdings schon im Jahr 1991 verstorben. Die Probleme, denen er
sich stellte, haben jedoch seither noch zugenommen.
5. Was bei
Rückschlägen getan werden kann
Dabei kamen Rückschläge ausgerechnet aus den Reihen der Kirche selbst. So haben kirchliche Amtsträger durch
unvorteilhaftes oder falsches Verhalten (Sexueller Missbrauch von Kindern,
finanzielle Veruntreuungen, Ehebruch, Totschlag, Selbstmord, Egoismus) in
den letzten Jahren vielfach dazu beigetragen, dass das Vertrauen der
Menschen in die Kirche noch weiter abnahm (So hat sich im Jahr 2006 z. B. der
für Michelrieth zuständige katholische Dekan, der auch Bischof Friedhelm Hofmann von
Würzburg bei der Leitung der Diözese unterstützte, umgebracht, indem er sich vor einen Güterzug geworfen
hat.
Es wurde in der Lokalpresse berichtet, dass ein ehemaliger Ministrant die homosexuelle Beziehung mit ihm beenden
wollte). Aus allen diesen Verfehlungen erwuchs nun ein neuer und ganz
praktischer
Aspekt der Arbeit kirchlicher Sektenbeauftragter: Es galt und gilt u. a.,
negative Verhaltensweisen dort aufspüren zu können bzw. – wenn dies nicht
möglich ist – gezielt dort
zu platzieren, wo der Kirche Gefahr droht. Und das sind
nicht die eigenen Reihen – im Gegenteil: Denn die Kirche steht trotz aller
Verbrechen und Schwachheiten ihrer Glieder für das von ihr geglaubte „Heil“ ein.
Deshalb kommt es für sie in solchen Situationen darauf an, negative Auswüchse in unserer Gesellschaft vor
allem dort zu suchen, wo das durch die Kirche vermittelte „Heil“ nicht
angenommen und die
Menschen in ihrem von Kind an anerzogenen Glauben verunsichert werden. Und
das ist nun mal bei den neuen religiösen Bewegungen.
6. "Sündige tapfer, aber glaube
noch tapferer" (Martin Luther)

Rechts von der Kirche hat sich das Dorf noch weitgehend seinen ursprünglichen Charakter bewahrt. Doch auch hier kann man nicht sicher sein, wer morgen zuzieht. Um dieser besonderen Lage gerecht zu werden, hat die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern schon früh zwei Pfarrer (statt bis dahin einen) beauftragt, sich um die Pfarrei und um das gebietsmäßige Revier der Pfarrei zu kümmern.
Dieses oben dargelegte Vorgehen
bei Rückschlägen hat eine
wichtige theologische Bedeutung. Ein Pfarrer oder ein Mitarbeiter der
Kirche lebt nämlich laut der Lehre der Kirche in der „ständigen Vergebung“.
Deshalb darf er sich freuen, weil er als einer, der „tapfer sündigt“ (nach Martin Luther: „Pecca
forte“ = Sündige tapfer), allein von dem Gott, an den er glaubt, auch die Gerechtigkeit empfängt. Und dies, so die Evangelische Kirche, geschieht allein durch Glauben
(wiederum nach Martin Luther: „Fide fortius“ = Glaube noch tapferer). Die
Anhänger der Gemeinschaften außerhalb der Kirchen versuchen jedoch im Gegensatz
dazu, aus eigener Kraft gute Menschen zu sein, Nächstenliebe zu üben
und sich an die Gebote Gottes zu halten. Oder aber sie behaupten, Gott oder
Christus wäre „in“ ihnen und auch „in“ allen Lebensformen, und er würde ihnen
dabei helfen, Gutes zu tun. Damit missachten sie jedoch den Gott, an
den die Kirche in unserem Kulturkreis glaubt und an dem sie aus gutem Grund festhält. Und dieser
Gott lässt sich eben nicht im Grund unserer Seele finden, wie
es Kirchenaussteiger von ihrem Gott behaupten. Sondern dieser Gott hat den Menschen nun einmal „böse“ gemacht hat
„von Kindesbeinen an“ (siehe 1. Mose
8, 21), damit der Mensch selbst nichts zu seiner Erlösung
beitragen könne,
so wie es im Bekenntnis der evangelischen Kirche seit Jahrhunderten gelehrt und geglaubt
wird.
So ist auch die Lehre
von der Erbsünde einer der Kernpfeiler des evangelischen Glaubens. Es
handelt sich dabei um eine Sünde, die alle Menschen als Neugeborene erben und die ihnen
wie eine tatsächliche schwerste Schuld angerechnet wird, weswegen verstorbene Kinder,
die nicht kirchlich getauft waren, ja leider auch nicht bzw. nicht ohne
weiteres in die Fülle des Himmels
eintreten können. Den anderen Kinder jedoch wurde bei ihrer Taufe die Tod
bringende Erbsünde vergeben, weswegen sie zurück in den Himmel dürfen. So
lehrt es die Kirche, und deswegen hat sie ja auch das Gnadenmittel der „Nottaufe“
eingeführt. Das hat zwar zugegebenermaßen – wie manches andere auch – nichts
mehr mit Jesus zu tun, doch die Kirche hat die Verantwortung wahrgenommen,
die Lehre von Jesus – wo ihr dies notwendig erschien – zu ergänzen oder für
die jeweilige Zeit neu zu entwickeln oder zu deuten.
Zu diesen bedeutsamen Weiterentwicklungen gehört auch der zweite notwendige Kernpfeiler des evangelischen
Glaubens, die Erlösung allein aus Glauben, während Jesus noch
schlicht vom „Halten der Gebote“ gesprochen hatte. Doch die
Erfahrungen in Kirche und Gesellschaft haben eben gezeigt, dass es nicht
so ohne weiteres möglich war,
die Gebote zu halten. Deswegen fiel in Deutschland vor allem die evangelische Lehre vom „Heil allein aus Glauben“
auf fruchtbaren Boden. Und deshalb wird unser Land ja im Ausland bis heute
noch vielfach als das „Land der
Reformation“ betrachtet.
Wer nun aber aus diesem Rahmen hinaus tritt, der ist nach
Martin Luther und der Lehre der Evangelisch-Lutherischen Kirche ein
„Irrlehrer“ – mit allen negativen Konsequenzen, die denkbar sind – bis hin
zur Hölle für alle Ewigkeit. Diese strengen Worte
mögen in unserer Zeit der Beliebigkeit sehr unpopulär sein, doch sie dürfen
letztlich nicht verschwiegen werden. Denn es gehört zu
dem, wofür die Kirche immer eingestanden ist und wofür sie nicht
aufhören wird, einzustehen.
Hinter der Baumreihe in der Bildmitte erstreckt sich die HG (= Haus der Gesundheit) Naturklinik in Michelrieth, die von Anhängern des Universellen Lebens betrieben wird. Menschen aus aller Welt kommen als Patienten offenbar sehr gerne in dieses Haus. Und sie gehen dann auch in den Straßen, in den schön angelegten Wiesen der Klinik und in den umliegenden Wäldern spazieren. Am Sonntagvormittag in der Dorfkirche lässt sich aber kaum jemand von diesen Gästen blicken. Haben sie etwa den Zuspruch des Pfarrers und die Einnahme der Hostie beim Abendmahl nicht nötig? Und wohin würde das führen, wenn immer mehr Menschen so denken würden?
Im Dienste dieser im Bekenntnis der Kirche festgelegten Wahrheit ist es nun
immer auch eine Methode von Apologetik und „Inquisition“ gewesen, kirchliche
Missstände und Vergehen in irgendeiner Weise abzuwehren. Dies ist vor allem
deshalb geschehen, damit die dahinter stehende Reinheit der „wahren“ Kirche keinen Schaden nimmt. Und hier war nun immer im
Einzelfall zu prüfen: Kann ein Missstand oder ein verabscheuungswürdiges
Verhalten innerhalb der Kirche gezielt auf Kirchenaussteiger projiziert
werden, evtl. nur als Verdacht oder Vermutung? Dies ist vor allem dort
geschehen, wo diese Leute zuvor die Kirche aus zweifelhaften Beweggründen zum Gegenstand öffentlicher
Kritik machten. In diesem Zusammenhang traf die Reaktion der Kirche also sicher
keinen Unbeteiligten.
8. Die
Volkskirche braucht Informationen über Andersgläubige
Notwendig dabei war und ist
allerdings immer ein irgendwie gearteter Anknüpfungspunkt. Für eine
Legalität braucht es zumindest eine Vermutung oder, besser noch,
einen Sachverhalt, der im Sinne des Vorwurfs gedeutet werden könnte. Nur dann
lassen die staatlichen Gerichte die Anschuldigung als legale „Meinungsäußerung“ gelten.
Und hier war es wiederum Pfarrer Friedrich-Wilhelm Haack, der einst das gesamte evangelische
und katholische „Volk“ zusammenrief, um nach solchen Anhaltspunkten im
Umfeld der Aussteiger zu suchen. So startete die bayerische evangelische Landeskirche
schon im Jahr 1967 die erste landesweite „Sektenumfrage“ nach dem
Krieg, und Pfarrer Haack als
Initiator begeisterte vor allem Jugendliche dafür, ihren detektivischen
Spürsinn in den Dienst ihrer Kirche zu stellen. Wörtlich schrieb er damals:
„Zur
Beschaffung von Informationen empfehlen sich besonders Oberschüler und
Jugendkreise. Diese kommen oft besser an die notwendigen Informationen heran
als die Kirchenvorsteher“ (Nachrichten der Evangelisch-Lutherischen Kirche
in Bayern, Jahrgang 1967, S. 327).
Schoss und schießt man dabei über das Ziel hinaus oder sammelte man mehr
Vermutungen als irgendwie verwertbare Fakten, hat das jedoch dem Anliegen
nicht geschadet. Denn man lenkte einerseits den Blick von den Vergehen in der Kirche wieder weg und stellte dort erneut
deren wesensmäßige
Botschaft ins Zentrum. Und
andererseits half man mit, die „Ketzer“ unserer Zeit zu
benennen, von denen
allgemein bekannt ist, dass sie freundlich sind und ihnen meist die Nächstenliebe
am Herzen liegt. Doch sie sind eben „Sektierer“ und damit ein Ausgangspunkt
dauernder Gefährdung der bewährten Traditionen. Zudem war man als Glied
seiner Kirche als „tapferer Sünder“ ohnehin geheiligt und
stand unter der üblichen „immerwährenden Vergebung“.
Der Eingang der Naturklinik - Um
der erfolgreichen Kombination von Schulmedizin, Naturheilkunde und
Angeboten urchristlicher Lebensberatung, die dort ausgeübt wird, etwas entgegenzusetzen, hat nun der
„Strömungsbeauftragte“ der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern,
Pfarrer Bernhard Wolf, einen Arbeitskreis für geistiges Heilen gegründet. Die Kirche
schaut also nicht untätig zu, wenn andere etwas für die Gesundheit der
Menschen tun. Sondern sie nimmt dazu Stellung.
Martin Luther misstraute
ohnehin allen „guten
Werken“, und er äußerte einmal folgenden Verdacht im Hinblick auf eine der
damaligen religiösen Minderheiten: „Tun sie aber etwas Gutes, so wisse, dass es nicht aus Liebe noch dir zugute
geschieht; sondern weil sie Raum haben müssen, bei uns zu wohnen, müssen sie aus
Not etwas tun“ (zit. nach Landesbischof Sasse, Martin Luther über die Juden:
Weg mit ihnen!, Freiburg 1938, S. 5-6). Dies war damals vor allem auf die Juden bezogen, die für
Martin Luther die Fremdkörper in den Dörfern und Städten waren, die er
damals dort
nicht dulden wollte. Heute gibt es ja aber anteilmäßig an der Bevölkerung
nicht mehr so viele von ihnen wie zu der Zeit von Martin Luther oder Landesbischof
Sasse, und die Kirche hat jetzt auch keine Probleme mehr mit ihnen. Anders ist
das heute aber bei anderen Gruppen, die sich nicht in die Kirche einordnen wollen, den
so genannten neureligiösen Bewegungen, die vor allem von ehemaligen
Kirchenmitgliedern Zulauf erhalten. Und dies kann man auch einmal in einen größeren Zusammenhang
stellen: Wie muss das wohl für einen Menschen sein,
der von einem Kirchenaussteiger
Zuwendung, selbstlose Liebe und ehrliche uneigennützige Hilfe empfangen hat!
Und dann drüben im Jenseits erkennt er einst, wie massiv dieser Mensch vom
überlieferten Glauben abgefallen war. Dabei wird der rechte Glaube schon in der Bibel
hoch gehalten, und es heißt dort z. B. wörtlich:
„An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ (Matthäus 7, 16). Wer
also gute Früchte bringt, verrät damit in vielen Fällen, dass er Anhänger
einer Sekte ist, denn in ihrer „Not“, so Martin Luther (siehe
oben), müssen diese Leute etwas in diese Richtung tun.
9. Hilfe durch die Medien
Der evangelische Pfarrer
Haack opferte sich regelrecht dabei auf, diesen aus dem Rahmen fallenden
Minderheiten nachzuspüren, und er ist in voller Schaffenskraft bereits mit 55
Jahren verstorben.
Doch sein Lebenswerk wurde in jüngere Hände gelegt, und er blickt heute
vielleicht aus der jenseitigen Welt hinunter oder herauf auf die Erde und ist stolz, wie
es weitergeführt wurde. Sein Nachfolger im Amt der Evangelisch-Lutherischen
Kirche in Bayern wurde 1991 Dr. Wolfgang Behnk, der von seiner Kirche sogar zum
Kirchenrat befördert wurde, um seiner Arbeit mehr Gewicht zu verleihen. Dr.
Behnk hat bereits zwei
Landesbischöfe im Amt „überlebt“ (Dr. Johannes Hanselmann und Hermann von Loewenich), und er steht nun dem noch jungen Landesbischof Johannes Friedrich
als Beauftragter zur Seite.
Und durch Dr. Behnk gewann diese Arbeit noch einmal eine
neue Qualität. Dr. Wolfgang Behnk hat nämlich wie kein anderer die
Möglichkeit der Medien genutzt, um seine Meinung gegen die ehemaligen „Söhne
und Töchter“ der Kirche
unters Volk zu bringen und in allen Gesellschaftsschichten zu verbreiten.
Während es z. B. im Jahr 1617 noch möglich war, unwillige Bürger aus
benachbarten evangelischen Orten „mit Prügeln“ in die
Michelriether Kirche
zu „treiben“ (so etwa „die
Überlieferung des Volksmundes“; siehe
www.esselbach-online.de/geschichte), darf heute
selbstverständlich kein solcher Zwang mehr angewandt werden. Denn die Zeit
hat sich nun mal geändert. Die Kirche hat sich deshalb auf
Öffentlichkeitsarbeit spezialisiert.
10. Die Kraft der
Meinungsäußerung
Und Kirchenrat Dr. Behnk nutzte dabei das
außerordentlich erfolgreiche Instrument der „Meinungsäußerung“. Dies grenzt
man juristisch scharf von der „Tatsachenbehauptung“ ab. Die Vorgehensweise
ist dann denkbar einfach: Im Konfliktfall erklärt man die Negativurteile
gegen Kirchenaussteiger und neue religiöse Gemeinschaften schlicht zu
Meinungsäußerungen, nicht zu Tatsachenbehauptungen. Diese juristische
„Verpackung“ wird von den Gerichten als „zulässig“ erachtet, so dass dem auf
diese Weise Beschuldigten weitgehend die Möglichkeit genommen wird, sich
dagegen zu wehren. Die Justiz stellt dabei zwar jeweils ausdrücklich fest,
dass es den Wahrheitsgehalt dieser Aussagen (also eines kirchlichen
Negativurteils über eine kleinere Gemeinschaft) nicht geprüft habe. Der
Bürger ist jedoch nicht in der Lage, Meinungsäußerung und
Tatsachenbehauptung in der hier dargelegten Form zu
unterscheiden. So wird bei ihm der Eindruck erweckt, ein in eine
„Meinungsäußerung“ verpacktes Negativurteil sei
deshalb wahr, weil es vom staatlichen Gericht „zugelassen“ wurde. Und diese gerichtliche
Zulassung dient der Kirche dann wieder als weiteres Argument, um gegen ihre
Gegner in dieser Gesellschaft wirksam vorgehen zu können.

Das Neubaugebiet von Michelrieth
- Hier kann man die evangelischen Bürger mittlerweile fast an zwei Händen
abzählen. Führungen von Besuchergruppen durch diesen Ortsteil waren aber
meistens nicht sehr ergiebig, da die Bewohner sehr arbeitsam und deshalb
wenig zuhause sind. Außerdem lassen sie sich nicht gerne spontan bei ihrer Garten-
und Hausarbeit fotografieren oder filmen. Diese
negative Erfahrung musste schon das eine oder andere Filmteam des deutschen
Fernsehens machen, wenn es z. B. zusammen mit dem evangelischen Ortspfarrer
den Urchristen einen unangemeldeten Besuch abstatten wollte, um ihnen
kritische Fragen
zu stellen.
Kaum ein anderer kann diese „Waffe“ wohl so geschickt führen wie der evangelisch-lutherische Kirchenrat Dr. Wolfgang Behnk. So konnte er dann im weiteren Verlauf einer Auseinandersetzung z. B. schon darauf hinweisen, was die Gerichte „festgestellt“ haben. Streng genommen hätte er natürlich sagen müssen, sie hätten es „als Meinungsäußerung zugelassen“. Aber „festgestellt“ klingt natürlich verbindlicher und schlagkräftiger. Und auch die Presse ließ sich hier immer wirkungsvoll einbinden. Berichteten die Medien über den Fall, konnte sich die Kirche hinterher gut auf diese berufen und sagen, die angesehene Zeitung XY habe dies und jenes geschrieben. Genau genommen hat die Zeitung zwar nur wiedergegeben, was der Kirchenmann zuvor gesagt hatte, doch es hat natürlich ein stärkeres Gewicht, wenn man eigens herausstellt, es hätte in der Zeitung XY gestanden. So zitieren die kirchlichen Beauftragten letztlich sich selbst, aber es dient ihrer Sache, und man könnte es „Kreislauf der Apologetik“ nennen.
Vielleicht kommt bei diesem Sachverhalt so mancher ins Nachdenken oder gar ins Zweifeln. Zugegeben: „Hund´ seid´s schon!“ könnte man den Weltanschauungsbeauftragten der Kirche auf gut Bayerisch zurufen. Doch Spaß beiseite: Wem diese Methode der Apologetik und der „Inquisitio“ als nicht redlich erscheint, der könnte sie einmal mit dem Bibelwort vergleichen, klug wie die Schlangen sein zu sollen. Und so könnte man weiter folgern: War die Schlange etwa redlich, als sie Eva im Paradies die Frucht anbot, die sie nicht essen sollte? Gewiss nicht. Wenn aber schon in der Bibel die unredliche Schlange wegen ihrer Klugheit gerühmt wird, dann lässt sich wohl auch diejenige Form der Klugheit rechtfertigen, die den Bürger vor modernen „Ketzereien“ bewahrt und ihm dabei hilft, in der Kirche auszuharren, in die er als Säugling bei seiner Taufe aufgenommen wurde, als der Pfarrer die dafür festgelegten Worte gesprochen und ihn mit Wasser besprengt hatte. Und der ehemalige bayerische Landesbischof Dr. Johannes Hanselmann (1927-1999) hat auch eigens darauf hingewiesen, „dass man aus der Kirche ... nicht einfach aus- und eintreten kann wie bei einem Verein“ (Brief an A. Emtmann vom 6.9.1985) und dass der bei der Säuglingstaufe geschlossene „Bund“ mit dem Gott der Kirche „unkündbar“ sei. Die Kirche lässt also im Unterschied zu den meisten anderen religiösen Gemeinschaften einen Menschen niemals wieder frei, auch wenn er austritt. Und sie lässt es sich auch nicht gefallen, wenn „Ketzer“ kommen und diese kirchliche Lehre über die Taufe leugnen oder gar mit Füßen treten, indem sie behaupten, die Säuglingstaufe nütze nichts und schade dem Kind sogar, weil es - bevor es darüber selbst entscheiden kann - schon zum Kirchenmitglied gemacht werde. Schließlich bekommen die beiden großen Kirchen vom Staat auch pro Mitglied einen Gehaltszuschuss für ihre Pfarrer und Priester, worauf sie nicht leichtfertig verzichten sollten. Es zählt also jedes Mitglied.
Welche Gegenmaßnahmen
gegenüber den Kritikern
praktisch ergriffen werden, sei in aller Kürze noch einmal an zwei Beispielen erläutert. Besonders
schmerzhaft für die von den kirchlichen Maßnahmen Betroffenen können die Vorwürfe „totalitär“ und
„Antisemitismus“ werden, weil sie in unserer Gesellschaft heftige Abneigungsreaktionen
hervorrufen. Nun ist es ein offenes Geheimnis, dass ausgerechnet Martin
Luther einer der größten Antisemiten der deutschen Geschichte war, was sich
die Evangelische Kirche auch bis April 1945 wirksam zunutze gemacht hatte. So
bekundete noch
am 23.11.1938 der evangelisch-lutherische Landesbischof Martin Sasse aus
Eisenach die Freude und Zustimmung zu den Ereignissen der heute so genannten
Reichspogromnacht. Landesbischof Sasse schrieb: „Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag,
brennen in Deutschland die Synagogen ... In dieser Stunde muss die Stimme
des Mannes gehört werden, der als der Deutschen Prophet im 16. Jahrhundert
einst als Freund der Juden begann, der getrieben von seinem Gewissen,
getrieben von den Erfahrungen und der Wirklichkeit, der größte Antisemit
seiner Zeit geworden ist, der Warner seines Volkes wider die Juden“ (Landesbischof
Sasse, Martin Luther über die Juden - weg mit ihnen, Freiburg 1938, S. 2).
Ab Mai 1945 hat die Kirche hier aber einen wichtigen Kurswechsel
vollzogen.
Dies gilt auch für das evangelische Michelrieth. So heißt es z. B. über den
bekannten SPD-Bundestagsabgeordneten Hannsheinz Bauer: „Als er, nachdem
Hitler im Krieg besiegt war, zu Versammlungen nach Michelrieth (Spessart)
zurückkehrte, gehörte der einzige Saal des Ortes dem Land- und Gastwirt A.M., dem ehemaligen NSDAP-Reichstagsabgeordneten“ (Zeitschrift Ossietzky
Nr.
16/2005). Doch „diese ländlichen Gebiete Unterfrankens waren nach dem
Verbot der NSDAP gleich in der Hand der CSU. Ein Ortsgeistlicher predigte:
´Wer sozialdemokratisch wählt, kann beim Jüngsten Gericht gleich links raustreten.`“
Was dieses Beispiel zeigt: Die Kirche versuchte immer, die Dorfgemeinschaft möglichst
einheitlich zu prägen, je nachdem, welches Bekenntnis die jeweilige Zeit
gerade erforderte. Heute wählen aber sogar führende Männer der Kirche
SPD oder sie gehören dieser Partei an (wie der Kirchenrat und „Genosse“ Dr. Behnk).
Deshalb hat sich das kirchliche Bestreben nach Einheitlichkeit überwiegend auf die
Konfessionszugehörigkeit konzentriert. Willkommen sind dabei evangelische oder
katholische Bürger, und auf dem evangelischen Friedhof in Michelrieth
darf z. B. nur
bestattet werden, wer zum Zeitpunkt seines Todes noch evangelisch oder katholisch war.
Juden oder Moslems, Kirchenaussteiger oder Anhänger des Universellen Lebens,
um nur einige Beispiele zu nennen,
dürfen in Michelrieth nicht beerdigt werden. Dies ist ein klares, deutliches
und unmissverständliches
Signal der Kirchengemeinde an die Bürger des Dorfes, die Kirche nicht zu
verlassen. Wer es trotzdem tut, verliert damit satzungsgemäß auch seinen
späteren Platz im Familiengrab.
Den verbliebenen evangelischen und katholischen Bürgern gemeinsam ist dabei das Bekenntnis zur
Bibel, welche die Kirche für alle Zeiten als Gottes fehlerfreies
und verbindliches Wort betrachtet. Natürlich sind auch im Neuen Testament
der Bibel viele antisemitische Stellen zu finden
(z. B. wird gelehrt, die Juden hätten den Teufel zum Vater, Johannes 8,
44). Doch stehen diese heute nicht
mehr im Zentrum der kirchlichen Verkündigungsbotschaft. Aus diesem Grund
nimmt sich
die Kirche auch das Recht, kritische Äußerungen über die israelische
Geschichte von Seiten
kirchlicher
Gegner als
„Antisemitismus“ zu verurteilen. Auch schweigt die Kirche nicht, wenn religiöse
Minderheiten z. B. davor warnen, dass die gesamte Menschheit einst von
großen Katastrophen heimgesucht wird, die sie selbst verursacht haben soll.
Und da bei dem Wort „Menschheit“ die semitischen Völker
einbezogen sind, dürfen sich diese Minderheiten deshalb auch nicht beschweren,
wenn sie von der Kirche folglich in zugespitzter Form auch als
„antisemitische Sekten“ bezeichnet werden.
13. Die traditionelle
Ordnung ist gefährdet
Das Neubaugebiet von Michelrieth mit der Naturklinik rechts. Da die Neubürger die Jagd ablehnen und zudem Vegetarier sind (weil sie erklären, das Gebot „Du sollst nicht töten“ gelte auch gegenüber den Tieren), können auch die Jäger im angrenzenden Spessartwald nicht mehr unbeschwert die überzähligen Tiere schießen. Sie müssen z. B. befürchten, dass ihnen Spaziergänger unangenehme Fragen stellen. Und erklang in der Nacht oder der Dämmerung bisher so mancher vertraute Schuss, so wussten sich die Jäger früher getragen von dem Dank von Kirchen- und Bürgergemeinde für ihren Dienst. Ginge es jedoch nach dem Willen der urchristlichen Gemeinschaft, dürften die Jäger überhaupt nicht mehr jagen. Das ökologische Gleichgewicht würde sich nach Ansicht dieser Jagdgegner ohne Waffeneinsatz von selbst einstellen.
Das
zweite Beispiel für besonders wirksame Anschuldigungen ist das Wort „totalitär“. Hier kann zunächst darauf
hingewiesen werden, wie Martin Luther uns Menschen sieht: Wir haben nach
Martin Luther
– auch
wenn sich Menschen dessen meist nicht bewusst sind – keinen freien Willen,
sondern wir seien entweder von Gott oder vom Teufel beherrscht. Kirchenrat Dr.
Wolfgang Behnk hat
es einmal so erklärt, dass es bei Martin Luther eine „totale
Verfügungsgewalt“ entweder von Gott oder vom Teufel über jeden
einzelnen Menschen gibt. Und
die evangelische Kirche bekennt heute, dass dieses Bekenntnis Luthers für die entscheidende
Frage nach dem rechten Glauben und dem Heil bis heute weiterhin verbindlich gilt.
In dieser also insgesamt
unerlösten Situation wird auch ein Staatswesen angestrebt,
in dem Staat und Kirche gemeinsam für Ordnung sorgen, damit wir Menschen
unter den Bedingungen der „vorletzten Dinge“ (den Ordnungen der Welt) rechtschaffen auf die „letzten
Dinge“ warten können, nämlich
auf das „Wiederkommen des Herrn der Kirche“ (Die beiden Ausdrücke „letzte“
und „vorletzte Dinge“ stammen vom Theologen Dietrich Bonhoeffer).
Deshalb sah Martin Luther in Andersgläubigen auch eine Bedrohung
dieser Ordnung. Heute nun erklären die im Dorf Michelrieth mittlerweile ansässigen Urchristen, Christus würde wieder
durch „Prophetenmund“ sprechen. Doch die
Bischöfe und alle kirchlichen Glaubens-Kommissionen lehnen diese so
genannten „Botschaften aus dem All“
ab. Die Urchristen halten den angesehenen Theologen der Kirche nun aber
umgekehrt vor, machthungrige Intellektuelle zu sein, die zwar von Gott und
Christus reden, aber nicht nach der Lehre des Jesus von Nazareth leben. Solche Vorhaltungen hat die Kirche jedoch noch nie hingenommen,
und sie nimmt diese auch heute nicht hin. Denn mit solchen Worten wird das
Ansehen der gesamten
kirchlichen Christenheit torpediert. Und die Christenheit hat sich nun einmal im 4. Jahrhundert verbindlich und abschließend auf
die Bibel als einziges und verbindliches Gotteswort
festgelegt, und zwar ohne Wenn und Aber. Das ist ein klarer Widerspruch zu
dem, was nach dem Glauben der Urchristen Christus heute durch prophetische
Worte offenbart. Und da sich diese Prophetenworte nicht von der
Kirche und ihrem in Jahrhunderten gewachsenen Verständnis der Bibel korrigieren lassen, müssen
sich die Urchristen
zudem den Vorwurf gefallen lassen, ein „totalitäres“
Glaubenssystem aufrichten zu wollen. Dieser Vorwurf wird auch deshalb
erhoben, weil sich das Universelle Leben nicht in
die ökumenische Weltchristenheit und in deren verbindliches Bekenntnis einordnet,
dessen Eckpunkte unter anderem in den Kommissionen des Vatikan und im Ökumenischen Rat der
Kirchen festgelegt wurden. Diese Einordnung ist aber notwendig für alle Gemeinschaften, die von der römisch-katholischen und
der evangelisch-lutherischen Kirche anerkannt werden wollen.
Da sich dieser Christus,
wie er im Universellen Leben verkündet wird,
aber nicht im Sinne der kirchlichen Lehre einordnen will (und damit auch
demütig anerkennen würde, wie die Kirche nun schon seit ca. 1.700 Jahren
beschützt und geführt wurde), kommt es unausweichlich zum Konflikt und darüber
hinaus zu einem geistigen Kampf. Und dieser Kampf
wird in dem Dorf Michelrieth stellvertretend für ein ganzes Land
ausgefochten. Deshalb lesen Sie hier auf der Internetseite von Michelrieth
in Zukunft auch weitere Details über aktuelle Auseinandersetzungen, falls
diese bedeutsam sind. Dabei
kann man sich grundsätzlich das Wort des Petrus vor Augen führen, der im 5. Kapitel des
1. Petrusbriefes schreibt: „Der Teufel geht umher wie ein brüllender Löwe und
sucht, welchen er verschlinge. Dem widersteht fest im Glauben.“ (PS: Ist es
in diesem Zusammenhang ein Zufall, dass vor manchem Haus in Michelrieth, in dem Urchristen
wohnen, ein Löwe aus Marmor am Eingang wacht?)
Hierzu ist bedeutsam, dass die Pfarrei in Michelrieth seit je mit dem Teufel
zu tun hat. So wurde die Dorfkirche
im Jahr 1972 eigens von Grafschaftskirche in Michaels-Kirche umbenannt,
damit die Gemeinde - wie in Offenbarung 12, 7 ff. geschildert - dauernd
ermahnt wird, wie der Engel Michael den „Kampf wider den Teufel“ zu führen,
was in den „historischen Eckdaten“ der Pfarrei eigens betont wird. Es ist
dann nur jeweils die Frage, wie dies zeitgemäß umgesetzt wird. So führt die
Kirche heute - ähnlich wie in Offenbarung 12,
7 ff. beschrieben - den Kampf wider die „Frau und ihr
Kind“, was man z. B. auf die Prophetin des Universellen Lebens und die mit ihr
verbundene Glaubensgemeinschaft beziehen könnte.

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Marktheidenfeld
Und hier weitere
grundsätzliche Überlegungen
zur
Auseinandersetzung der Kirche mit religiösen Minderheiten
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